|
|
12.05.2005 50 Jahre Pariser Verträge
Am 05. Mai 1955 traten die Pariser Verträge in Kraft. Mit Inkrafttreten dieser Verträge erfüllte sich ein vor allem von Bundeskanzler
Konrad Adenauer immer wieder formulierter Wunsch: die weitgehende Souveränität der 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland
und ihre Integration in die westliche Staatenwelt. Frankreich, Großbritannien und die USA hoben damit das Besatzungsstatut auf, mit dem
sie sich weit reichende Befugnisse für politische Entscheidungen im westdeutschen Staat vorbehalten hatten. Die Pariser Verträge sahen den
Beitritt der Bundesrepublik zum Verteidigungsbündnis NATO und zur Westeuropäischen Union (WEU) vor. Durch die feste Einbindung in diese Gemeinschaften wurde der Aufbau einer bundesdeutschen Armee möglich.
Für die Westintegration der Bundesrepublik waren die Pariser Verträge ein entscheidender Schritt. Gegen ihre Unterzeichnung hatte sich in
der Bundesrepublik jedoch eine breite parlamentarische und außerparlamentarische Opposition formiert, denn die Westbindung bedeutete
unmißverständlich den vorläufigen Verzicht auf die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Zudem war der Widerstand in der
Bevölkerung gegen die im Rahmen der NATO vorgesehene Wiederbewaffnung enorm. Sie Sowjetunion und die DDR verurteilten die
Pariser Verträge als Manifest der Teilung. Befürworter der Pariser Verträge hingegen wiesen darauf hin, daß die Einheit Deutschlands auf
Grundlage von Freiheit und und parlamentarischer Demokratie Mitte der 50er Jahre nicht zu realisieren gewesen wäre. Die Marke zeigt v.l.: Pierre Mendès (FRA), Konrad Adenauer (GER), Anthony Eden (GB) und John Foster Dulles (USA). |
|
03. März 2005 50 Jahre Kopenhagener Erklärungen
 Am 29. März gaben der erste deutsche Bundeskanzler, Konrad Adenauer, und der dänische
Ministerpräsident Hans Christian Hansen auf dem Petersberg bei Bonn die “Bonn-Kopenhagener Erklärungen” ab. Diese Erklär- ungen verbürgen wesentliche Rechte der
beiden natio- nalen Minderheiten: der ca. 20.000 Deutschen im dänischen Nordschleswig und der ca. 50.000 Dänen im nördlichen Schleswig-Holstein. Die Minderheiten dürfen zum Beispiel
eigene Kindergärten und Schulen betreiben und die von ihnen gewünschen Sprache in Wort und Schrift verwenden. Die Erklärungen waren nach den Auseinandersetzungen des Zweiten
Weltkrieges der Grundstein für die deutsch-dänische Aussöhnung und gelten auch heute noch als Modell für die Behandlung von Minderheitenfragen in Europa. Der oben links abgebildete Entwurf kam nicht zur Ausführung. Er zeigt den Kanzler und den dänischen Ministerpräsidenten. |
|
07. April 2004 100. Geburtstag Kurt Georg Kiesinger
Das Leben des dritten Bundeskanzlers ist das wie keines zweiten Spitzenpolitikers der alten Bundesrepublik ein Spiegel der
Zeiten im 20. Jahrhundert. Er wurde am 06. April 1904 als Sohn eines kaufmännischen Angestellten im württembergischen
Ebingen auf der Höhe der Schwäbischen Alb geboren. 1925 begann er das Studium der Philosophie und Geschichte in
Tübingen, ab 1926 studierte er Rechts- und Staatswissenschaft in Berlin. 1932 heiratete er Marie-Luise Schneider. Aus der Ehe
gingen zwei Kinder hervor. Durch seine Mitgliedschaft in der NSDAP konnte er ab 1935 Rechtsanwalt beim Kammergericht
Berlin werden und einer Tätigkeit als privater Rechtslehrer nachgehen. 1940 wurde Kiesinger als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter
in der Rundfunkabteilung des Reichsaußenministeriums dinstverpflichtet, wo er 1943 zum stellvertretenden Abteilungsleiter der
Rundfunkabteilung aufstieg. Vor allem diese Tätigkeit wurde ihm später zum Vorwurf gemacht. Entlastung findet er durch ein aus
dem "Spiegel"-Archiv stammendes Protokoll des Reichssicherheitshauptamtes der SS, in dem es heißt, Kiesinger habe während
seiner Tätigkeit in der rundfunkpolitischen Abteilung antijüdische Aktionen gehemmt und verhindert. Nach dem Krieg wurde er
im Internierungslager Ludwigsburg inhaftiert. Nach seiner Entlassung wurde er Leiter eines Repititoriums für Jurastudenten an der
Universität Würzburg. Nach seinem Beitritt zur CDU wurde er 1947 ehrenamtlicher Landesgeschäftsführer der CDU
Südwürttemberg-Hohenzollern. 1948 wurde Kiesinger vollständig durch ein Spruchkammergericht entlastet, dadurch konnte er
seine Tätigkeit als Rechtsanwalt in Tübingen und Würzburg fortsetzen. Seine Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag begann 1949. Hier war er Vorsitzender des Ver-
mittlungsausschusses und Mitglied des erweiterten Parteivorstandes, ab 1950 Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates und ab 1951 Mitglied des
geschäftsführenden Vor- standes. Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten war er von 1954 bis 1958. Bei der nächsten Wahl 1959 endete seine
erste Zugehörigkeit zum Deutschen Bundestag. Er hatte sich stärker auf die Landespolitik konzentriert, so übte er von 1958 bis 1966 das Amt des Ministerpräsidenten von
Baden-Württenberg aus.Nach dem Bruch der Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP im November 1966 wird Kiesinger als Kandidat für die Nachfolge Bundes-
kanzler Ludwig Erhard nominiert. Dieser tritt von seinem Amt als Bundeskanzler zurück und Kurt Georg Kiesinger wird neuer Bundeskanzler der Bundesrepublik
Deutschland gewählt. Es kommt zur Bildung einer Großen Koalition zwischen CDU/CSU und SPD. Kiesinger hat den demokra- tischen Aufbau an entscheidender Stelle
mitgeprägt und als Kanzler der Großen Koalition einen nachhaltigen Modernisierungsschub mitausgelöst. Zugleich ist er eine Symbolfigur in den Kontro- versen um die
Bewältigung der NS-Zeit geworden. Er war ein begnadeter Redner, der intensiv über die Grundlagen der Demokratie nachgedacht hat. Richard von Weizsäcker nannte ihn
einen „außergewöhnlichen, vom Geist geprägten Politiker“, der ein Beispiel für „Humanität in der Politik“ gegeben habe. Ungeachtet der Problematik der Großen Koalition
können die wirtschaftliche Rezession und die Misere der Bundesfinanzen durch eine mittelfristige Finanzplanung überwunden werden. Gemeinsam mit der SPD werden die
Stabilitätsgesetze und die umstrittenen Notstandsgesetze verabschiedet. Im Zuge der Verbesserung der Ostkontakte werden 1967/68 diplomatische Beziehungen mit
Rumänien, der CSSR und Jugoslawien aufgenommen und damit der Bruch mit derHallstein-Doktrin eingeleitet. Nicht zuletzt der Streit um den Atomwaffensperrvertrag und
die andauernde Kontroverse zwischen CDU/CSU und SPD um die weitere Konjunktur- und Währungspolitik leiten das Ende der Kanzlerschaft Kiesingers ein. Trotz der
Enttäuschung über die Bildung einer Sozial-Liberalen Koalition, die gegen die CDU-Mehrheit nach den Bundestags- wahlen 1969 durchgesetzt wird, bleibt Kiesinger
zunächst Parteivorsitzender, verliert aber zu- nehmend den Rückhalt der eigenen Partei.
Im Juli 1971 verzichtet er schließlich auf die erneute Kandidatur zum Parteivorsitz, den er seit 1967 innehatte. Die Partei wählt ihn zum Ehrenvorsitzenden. Bei den
Bundestagswahlen 1980 verzichtet Kiesinger auf eine erneute Kandidatur und scheidet zum Ende der Legislaturperiode zum zweiten Male aus dem Bundestag aus. Zu
seinem 80. Geburtstag erscheinen mehr als 1000 Vertreter des öffentlichen Lebens, darunter die Parteivorsitzenden der CDU, CSU, SPD und FDP. Am 09. März 1988 stirbt Kurt Georg Kiesinger in Tübingen.
Zwischen Kiesinger und mir lag kein Graben, aber jener Abstand, den die unterschiedlichen Lebenswege und Lebensinhalte geschaffen hatten. (Willy Brandt)
Man wird Kiesingers Leistung nicht gerecht, würde man ihn lediglich als „Übergangskanzler“ sehen. Die Situation, in die Kiesinger hineingestellt war, ließ Spektakuläres
nicht zu. (Helmut Schmidt)
Freiheitliche Politik bedeutet für Kurt Georg Kiesinger Übernahme von Verantwortung, „für die man weder sein Geld noch seine Zeit noch sein Leben sparen soll“. Für
Kiesinger ist dieser Satz Alexis de Tocuevilles Leitmotiv seines Handelns geworden. (Helmut Kohl) |
|
10. Juli 2003 Serie Aufrechte Demokraten: Andreas Hermes
Der Kreis deutscher Politiker ist nicht groß, die in der ersten und in der zweiten Republik Spitzenpositionen eingenommen haben Zu
ihnen zählt Andreas Hermes, der als ausgewiesener Agrarfachmann nachhaltige Spuren hinterließ.
Andreas Hermes wurde am 16. Juli 1878 als drittes Kind eines kleinen Reichsbahnangestellten in Köln geboren. Nach Volks- und
Realschule begann seine praktische landwirtschaftliche Ausbildung, die er ab 1898 in der Land- wirtschaftlichen Akademie in Bonn in
theoretischer Hinsicht erweiterte. 1905 -nach verschiedenen Auslandsreisen- promovierte Hermes mit einer Dissertation über den
“Teilbau in Frankreich”. Seine berufliche Tätigkeit wurde in der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft begonnen. 1911 wurde
Andreas Hermes in Rom Direktor der Technischen Abteilung des Internationalen Agrarinstitutes. Während des Ersten Weltkrieges
organisierte er im Stellvertretenden Generalstab einen täglichen Informationsdienst. Nach Kriegsende arbeitete er im
Reichswirtschaftsministerium. Von März 1920 bis März 1922 leitete Hermes das neugegründete Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft, von Oktober 1921
bis August 1923 auch das in jenen Jahren besonders undankbare Reichsfinanzministerium. In seiner dreijährigen Ministerzeit war er neben Matthias Erzberger der am
schärfsten kritisierte Politiker der Weimarer Aufbaujahre. Parallel zu seiner Tätigkeit als Zentrumsabgeordneter im Preussischen Landtag (1924-1928) und im Reichstag
(1928-1933) baute er in verschiedenen landwirtschaftlichen Organisationen eine beachtliche Machtposition auf mit der Präsidentschaft der Vereinigung der deutschen
(christlichen) Bauernverbände, dem Präsidentenamt des neuge- gründeten ‘Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften-Raiffeisen e.V.’ sowie
dem Vorsitz der landwirtschaftlichen Spitzenorganisation “Grüne Front” im März 1929.
Als prominenter Repräsentant der Weimarer Republik und als weltanschaulicher Gegner des Nationalsozialismus - sein Reichstagsmandat hatte er vor dem
Ermächtigungsgesetz nieder- gelegt- wurde Hermes am 21. März 1933 verhaftet und 1934 wegen angeblicher Verun- treuung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Ein
neues Betätigungsfeld fand er im Dritten Reich nicht und emigrierte deshalb 1936 als Wirtschaftsberater nach Kolumbien. Als Andreas Hermes 1939 seine Familie nach
Kolumbien nachholen wollte, brach der Zweite Weltkrieg aus und hinderte ihn an seiner Wiederausreise.Während des Zweiten Weltkrieges stieß Hermes über den so
genannten Kölner Kreis um Bernhard Letterhaus und Nikolaus Groß u.a. zur Widerstandsgruppe um Carl Goerdeler, der ihn in einer seiner Ministerlisten als
Landwirtschaftsminister führte. Hermes beteiligt sich an Vorbereitungen für ein Attentat auf Hitler. Am 22. Juli 1944 wird er wegen Beteiligung am Attentat vom 20. Juli
verhaftet und ohne Prozeß im Gefängnis Berlin-Moabit festgehalten.
Wegen Teilnahme an der Verschwörung gegen Hitler wird Hermes am 11.01.1945 zum Tode verurteilt. Seiner Frau erreicht, daß die Vollstreckung des Urteils mehrmals
aufgeschoben wird. Die Befreiung Berlins durch sowjetische Truppen bewahrt Hermes vor der Hinrichtung.
Der politisch unbelastete Hermes wurde nach dem Zusammenbruch 1945 zum Zweiten Bürgermeister und Ernährungskommissar in Berlin ernannt. Sein Versuch, ein
Reichs- ernährungsministerium für Gesamtdeutschland aufzubauen, scheiterte an den Alliierten.
Zusammen mit Freunden plant Hermes die Gründung einer neuen christlichen Volkspartei, die im Gegensatz zur früheren Zentrumspartei nicht rein katholisch ausgerichtet
sein soll. Er schlägt den Namen "Demokratische Union" vor. Nach der KPD und der SPD wird am 26. Juni die Christlich Demokratische Union in Berlin und in der SBZ
gegründet. Neben Hermes gehören Jakob Kaiser (1888-1961), Ferdinand Sauerbruch, Ferdinand Friedensburg (1886-1972) und Walther Schreiber (1884-1958) zu den Gründern.
Im Juli eröffnet Hermes die "Reichsgeschäftsstelle" der CDU. Damit verbindet die Berliner CDU den Anspruch, eine Partei für ganz Deutschland zu sein. Als führender
Exponent eines christlichen Sozialismus tritt Hermes für die Vergesellschaftung der Bodenschätze, jedoch für die Beibehaltung des Privateigentums und für die Förderung
des Bauerntums und des Mittelstands ein. Hermes übt Kritik an der entschädigungslosen Enteignung im Rahmen der Bodenreform in der SBZ. Seine Kritik führt zum durch
die sowjetischen Behörden erzwungenen Ausschluß aus dem Parteivorstand der Ost-CDU im Dezember. Hermes übersiedelt nach Bonn und wird Mitglied der West-CDU.
Schon als Mitglied im Frankfurter Wirtschaftsrat wandte er sich wieder verstärkt der Agrarpolitik zu und wirkt hier schöpferisch und prägend. Zugleich Opfer des
Nationalsozialismus und des Kommunismus war Hermes nach dem Zweiten Weltkrieg prädestiniert für Spitzenämter in der deutschen und internationalen Landwirtschaft.
Als Präsident des von ihm 1946/47 gegründeten Deutschen Bauernverbandes (1946-1954) und des Deutschen Raiffeisenverbandes (1947-1961) formte er die
neugeschaffenen Organisationen und gliederte sie in internationale Gremien ein. Im sauerländischen Neheim-Hüsten beschließt die West-CDU im Februar 1946 ein neues,
gemeinsames Programm. Konrad Adenauers Richtlinien einer liberalen Wirtschaftsordnung setzen sich durch, die sozialistisch geprägten Vorstellungen von Hermes bleiben
im wesentlichen unberücksichtigt. Hermes strengt 1947 ein weiteres Treffen der Parteispitze an. Im westfälischen Ahlen wird das revidierte "Ahlener Programm"
verabschiedet. Hermes ist für die stärkere sozialpolitische Ausrichtung verantwortlich. 1949 ruft Hermes den "Godesberger Kreis" ins Leben, der für die Wiedervereinigung
Deutschlands und eine Verbesserung der Beziehungen zu Osteuropa eintritt. Diese Vorschläge sind in der CDU heftig umstritten. 1950 tritt er an die Spitze der
"Gesellschaft für die Wiedervereinigung Deutschlands.” Aus Altersgründen muß er 1958 alle Ämter niederlegen.
Seine Gabe, mit Autorität und diplomatischem Geschick verschiedenartige Kräfte und Interessen zusammenzuführen und organisatorisch zu bündeln, offenbarte sich vor
allem im berufsständischen Verbandswesen. Seine hier erbrachte Leistung ehrte der Deutsche Bauernverband mit dem Titel “Vater der Landwirtschaft”
Andreas Hermes stirbt am 04. Januar 1964 85jährig in Krälingen in der Eifel Text: Dr. Günter Buchstab, KAS |
|
08. März 2001 100. Geburtstag von KARL ARNOLD
Karl Arnold wurde am 21. März 1901 in Herrishöfen bei Biberach an der Riss (Württemberg), geboren. Er schloss sich schon 1920
der christlichen Arbeiterbewegung an und wurde 1925 stellvertretender Vorsitzender des Zentrums. 1928 Heirat mit Liesel Joeres.
1929 wird er Mitglied der Düsseldorfer Stadtverordnetenversammlung für das Zentrum und ab 1933 ist er Mitinhaber eines
Düsseldorfer Istallationsbetriebes. Wegen seines politischen Engagement wird er von der Gestapo verfolgt, als traurigen Höhepunkt
erlebt er seine Verhaftung im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges setzte er sich für den Wied
eraufbau und den Neuaufbau eines demokratischen Deutschlands ein und wurde 1945 Mitbegründer der CDU.Im März 1945 trifft er mit Hans Böckler erste Vorbereitungen zum sogenannten Siebenerausschuss zur Gründung einer
Einheitsgewerkschaft im Rheinland. Im November wird er als Gründungsmitglied zum ersten Vorsitzenden der
Christlich-Demokratische Partei (CDP) gewählt. Diese Partei benennt sich im Dezember 1945 nach dem christdemokratischen Treffen in Bad Godesberg in CDU um..
Am 9. Dezember erfolgt die Gründung der Einheitsgewerkschft unter Vorsitz von Karl Arnold. Zum 29. Januar 1946 wurde er zum
Oberbürgermeister von Düsseldorf bestellt. Ebenfalls in diesem Jahr wurde er der erste Präsident des Bundesrates Im Jahre 1947 wählte der Landtag einstimmig zum ersten freigewählten Ministerpräsidenten von NRW.
Er starb am 29. Juli 1958 in Düsseldorf. Mit seinem poltischen und auch persönlichen Freund Josef Gockeln aus Großeneder
verband ihn viel. Nicht nur die Nachfolge von Gockeln im Amt des OB, sie wohnten in der gleichen Strasse, fuhren mit ihren Familien
oft gemeinsam in den Urlaub. Eine tragische Komponente hatte diese Freundschaft: Beide starben gleichaltrig, der ein Jahr jüngere Karl Arnold überlebte seinen Weggefährten lediglich um ein knappes Jahr.
|
|
16. Oktober 1997 Frauen der deutschen Geschichte: Maria Probst
Geboren wurde Maria Probst am 01. Juli 1902 in München. Nach Besuch verschiedener Internate folgte ein Studium der Geschichte
und Germanistik.. 1930 heiratete sie den Juristen und Abgeordneten Alfons Probst. Im Zuge der Machtergreifung wurde dieser
zunächst verhaftet, dann strafversetzt. Die junge Familie folgte ihm nach Frankfurt/Oder und nach Stettin.
Das Kriegsende erlebt Maria Probst als Witwe und alleinerziehende Mutter im unterfränkischen Hammelburg. Dort versucht sie
durch tatkräftiges Beispiel die Lebensumstände der Menschen zu verbessern und ihnen dadurch Mut zum eigenen politischen Handeln
zu geben. Ihr soziales und politisches Engagement führt sie 1946 zunächst als Abgeordnete nach München und 1949 nach Bonn,
später, 1958, sogar in das Europäische Parlament. Die Abgeordnete der ersten Stunde ging 1965 in die Geschichtsbücher ein, als sie
die erste weibliche Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages wurde. Neben ihrer parlamentarischen Tätigkeit, die sich besonders
auf Probleme und Nöte der Kriegsopfer und Hinterbliebenen konzentrieren, ist ihr die Einbindung der Frauen in das politische Leben
ein besonderes Anliegen. So gündete sie 1947 die Landesarbeitsgruppe der Frauen in der CSU und steht von 1963 - 1967 als Präsidentin der Europäischen Frauenunion vor.
Als Maria Probst am 01. Mai 1967 stirbt, würdigen Nachrufe immer wieder ihre Fähigkeit zu systematischer Arbeit und zur Konzentration auf das Wesentliche. Schon zu Lebzeiten bekam sie den Ehrennamen “Maria Hilf”. |
|
16. Oktober 1997 Frauen der deutschen Geschichte: Elisabeth Schwarzhaupt Elisabeth Schwarzhaupt wurde am 07. Januar 1901 in Frankfurt/Main geboren Ihr Vater war von 1918 bis 1933 für die DVP im
Preuischen Landtag, ihre Mutter stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie.Das rege Interesse an der Politik, ihre
Verbundenheit zur evangelischen Kirche und die Selbstverständlichkeit der Gleichberechtigung gaben ihr ihre Eltern ebenso mit auf
den Weg wie die für Elisabeth Schwarzhaupt so charakteristische Kunst der sachlichen und verbalen Auseinandersetzung.
Nach dem Abitur 1920 studierte Elisabeth Schwarzhaupt Rechtswissenschaft in Frankfurt am Main. 1930 bestand sie das zweite
juristische Staatsexamen. Ebenfalls 1930 erfolgte die Promotion zum Dr. jur. Sie war dann bis 1932 als Beraterin bei einer
Rechtsschutzstelle für Frauen in Frankfurt/Main tätig. Danach arbeitete sie als beauftragter Richter in Dortmund und Frankfurt/Main.
Im März 1933 erfolgte ihre Entlassung, da nach einem Erlass des nationalsozialistischen Justizministers Frauen nicht länger das
Richteramt bekleiden durften. Eine persönliche Tragdie hatte sie als junges Mdchen zu überwinden: Sie verlobte sich mit einem
jüdischen Arzt, der nach Berufsverbot im Dritten Reich zuerst in die Schweiz und dann nach Amerika emigrieren mußte. Sie konnte nicht mit ihm gemeinsam Deutschland verlassen.
In Versammlungen der Deutschen Volkspartei beteiligte sie sich an der Seite ihres Vaters am Kampf gegen die NSDAP. Nach der
Machtergreifung musste sie eine begonnene Richtertätigkeit aufgeben und aus dem Staatsdienst ausscheiden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehrte Elisabeth Schwarzhaupt in Frankfurt zu den Gründerinnen eines überparteilichen Frauenausschusses, der für die Gleichberechtigung
der Geschlechter eintrat. 1953 wurde sie, inzwischen Mitglied der CDU, in den Deutschen Bundestag gewhlt. Große Beachtung fand ihre Rede vom 4. Februar 1954. In
der Debatte ber die Änderung des Familienrechts forderte Elisabeth Schwarzhaupt die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau. Ihre Initiative trug dazu bei, da der
Stichentscheid des Mannes abgeschafft und die nichterwerbsttige Frau durch die Einfhrung der Zugewinngemeinschaft im Fall der Scheidung finanziell abgesichert wurde.
Ab 1957 gehörte sie dem Vorstand der CDU/CSU Bundestagsfraktion an.
1961 berief Konrad Adenauer Elisabeth Schwarzhaupt als erste Frau in einem Bundeskabinett zur Gesundheitsministerin. Die Einführung einer umfassenden
Gesundheitsvorsorge für Kinder und Jugendliche (Schutzimpfung gegen Kinderlhmung) sowie die Reform des Arzneimittelrechts hat sie auf den Weg gebracht.
Sehr prägend für ihren Lebenslauf war wohl die Zeit nach ihrem Jurastudium, die sie für die Rechtsschutzstelle in Frankfurt verbrachte. Die Beratung minderbemittelter
Frauen in Notsituationen legte nach eigenen Angaben den Grundstein für ihren späteren Einsatz für die rechtliche Gleichstellung der Frau, der mit dem Eintritt in die CDU
und mit der Arbeit im Rechtsausschuss des Bundestages ab 1953 begann. Aufgrund ihrer sachlichen und konsequenten Arbeit entwickelte sie sich zu einer hoch
angesehenen politischen Persönlichkeit, als deren großer Verdienst die Vermenschlichung von Staat und Gesellschaft galt. Große Probleme während ihrer gesamten
Laufbahn bereitete ihr jedoch das mangelnde politische Kalkül. Sie war zu wenig politische Strategin gewesen, um die innerparteilichen Machtstrukturen zu durchschauen, geschweige denn für sich zu nutzen.
Nach der Bundestagswahl 1961 wurde sie am 14. November 1961 als Bundesminister für das Gesundheitswesen in die von Bundeskanzler Konrad Adenauer geführte
Bundesregierung berufen. Dieses Amt übte sie auch unter Bundeskanzler Ludwig Erhard aus. Sie wurde somit ale erste Frau Bundesministerin.
Nach ihrem Ausscheiden aus dem Ministeramt 1966 wurde sie Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Nichtehelichenrecht. 1969 zog sie sich aus dem aktiven
politischen Leben zurück, blieb jedoch weiterhin in Frauenorganisationen tätig. 1970 bis 1972 war sie Prsidentin des Deutschen Frauenrates. Elisabeth Schwarzhaupt starb am 29. Oktober 1986 in Frankfurt. |
|
04. Februar 1997 100. Geburtstag Ludwig Erhardt
Ludwig Erhardt, geboren am 04. Februar 1897 in Fürth, hat als prägende Persönlichkeit die Bundesrepublik Deutschland mitgestaltet.
Als Freiwilliger nahm er am Ersten Weltkrieg teil und wurde schwer verwundet. Nach dem Krieg studierte er
Wirtschaftswissenschaften und Soziologie. Während der Diktatur war er wissenschaftlich tätig. 1944 entwickelte er in einer geheimen
Denkschrift eine Konzeption für den Wiederaufbau nach Kriegsende. 1945 wurde Erhard zum Wirtschaftsminister in Bayern ernannt
und 1948 zum Direktor der Verwaltung für Wirtschaft im amerikanisch und britisch besetzten Deutschland gewählt. Die
Währungsreform am 20. Juni 1948 ist massgebend von Ludwig Erhard herbei geführt worden. Nach Gründung der Bundesrepublik
wurde er Bundesminister für Wirtschaft. Dieses Amt hatte er 14 Jahre lan inne. Während dieser Zeit prägte er die Wirtschaftspolitik
und führte die Bundesrepublik zu wirtschaftlichem und sozialem Aufstieg. Als Nachfolger Konrad Adenauers war Ludwig Erhard von
1963 bis 1966 Bundeskanzler. Dem Deutschen Bundestag gehörte er bis zu seinem Tod am 05. Mai 1977 an.
Mit seinem Konzept einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung mit sozialer Verantwortung wurde Ludwig Erhard zum Vater und zum
Inbegriff der Sozialen Marktwirtschaft.Ludwig Erhard schuf den wirtschaftlichen Aufbau, die Stabilität und die soziale Sicherheit in der Bundesrepublik Deutschland. |
|
06. September 1995 80. Geburtstag von Franz-Josef Strauss
Franz-Josef Strauss wurde am 06. September 1915 in München geboren. Er begann seine politische Tätigkeit als
Kommunalpolitiker in Schongau. Zu den Gründern der CSU hatte er früh Kontakt. Als er 1949 zum Abgeordneten des
ersten Deutschen Bundestages gewählt wurde, berief ihn Konrad Adenauer 1953 zum Bundesminister für besondere
Aufgaben, 1955 zum Bundesminister für Atomfragen und schliesslich 1956 zum Bundesminister für Verteidigung. Wegen
seiner Kenntnisse auf dem Gebiet der Finanz- und Wirtschaftspolitik holte ihn Kiesinger 1966 als Finanzminister der
Grossen Koalition ins Kabinett. Nach deren Ende wirkte Franz-Josef Strauss als finanz- und wirtschaftspolitischer
Sprecher der CDU/CSU-Fraktion weiter. In diesem Amt wie auch als CSU-Vorsitzender seit 1961 setzte er eigene Ideen
und Konzepte um, deren Auswirkungen noch Jahrzehnte spürbar waren. Seine weltweiten Beziehungen gestatteten ihm, bei
der Lösung verschiedener Probleme vermittelnd Einfluss zu nehmen.Am 06. November 1978 wurde er Bayerischer
Ministerpräsident, 1980 war er gemeinsamer Kanzlerkandidat der Union. Trotz der Niederlage blieb er als Mitglied des Bundesrates und als dessen Präsident 1983/84 in der Bundespolitik präsent.
Mit seinem plötzlichen Tod am 03. Oktober 1988 verlor Bayern nicht nur einen amtierenden Ministerpräsidenten, sondern
die Bundesrepublik eine ihrer prägendsten politischen Persönlichkeiten. In all den Jahren seines politischen Wirkens verlor
er nie das Ziel der deutschen Wiedervereinigung aus den Augen. Er konnte die Verwirklichung dieses jahrzehntelangen Bemühens nicht mehr erleben. |
|
12. März 1992 25. Todestag Konrad Adenauers
Konrad Adenauer wurde am 05. Januar 1976 in Köln geboren. Dass Herkunft und Erziehung den rheinischen Katholiken
Konrad Adenauer in das Zentrum führten, lag auf der Hand. Seine politische Laufbahn begann, nachdem er 1904 Emma
Weyer geheiratet hatte. Durch diese Heirat kam er in Verbindung mit dem gesellschaftlich und politisch tonangebenden
Bürgertum. Die Wahl zum Ersten Beigeordneten der Stadt machten ihn 1909 zum Stellvertreter des Oberbürgermeisters
Max Wallraff, dessen Nachfolger er 1917 wurde. Dem beruflichen Erfolg standen Schicksalsschläge im persönlichen Bereich gegenüber. 1916 starb seine Frau, die ihm drei Kinder geboren hatte.
In der Weimarer Zeit gehörte Adenauer zu den stärksten politischen Persönlichkeiten Deutsch- lands. Er machte sich durch
einen fortschrittlichen Ausbau Kölns zur “Metropole des Westens” einen Namen. Die Neugründung der Uni 1919, die
Umgestaltung des früheren Festungsgeländes zum Grüngürtel, die Wiederbelebung der Kölner Messe, die Erweiterung des
Rheinhafens, der Bau einer weiteren Rheinbrücke und die Ansiedlung von Industriebetrieben fielen in seine Amtszeit.
Von überregionaler Bedeutung war sein Einfluss im Amt eines Präsidenten des Preussischen Staatsrates, das er von 1921
bis 1933 inne hatte.Als die Nazis 1933 die Regierung übernahmen, wurde er seines Postens als Oberbürgermeisters von
Köln enthoben und aus seiner Heimatstadt verbannt. Die NS-Jahre überlebte Adenauer mit seiner Familie in Rhöndorf, zeitweilig in Gestapo- haft.
Die Amerikaner machten den 69jährigen wieder zum Kölner OB. Doch schon nach wenigen Monaten entliessen sie ihn aus
dem Amt, nachdem er ihre Besatzungspolitik kritisiert hatte. In der Folge konzentrierte er sich auf die Arbeit in der CDU, der er kurz nach ihrer Gründung beigetreten war.
Schon im März 1946 wurde er Vorsitzender der CDU der britischen Zone.
Der entscheidende Schritt auf seinem Weg zur Spitze des entstehenden westdeutschen Staats- wesens war seine Wahl zum Präsidenten des Parlamentarischen Rates. In
dieser Stellung wurde er zum “Sprecher der werdenden Bundesrepublik” (Heuss) und gewann so in der Öffentlichkeit Ansehen. Vom ersten Deutschen Bundestag wurde
der 73jährige am 15. September 1949 zum Bundeskanzler gewählt. Die von ihm geführten Regierungen begründeten den erfolgreichen Aufbau der neuen Demokratie. In
der Aussenpolitik die Erringung der staatlichen Souveranität, die enge Bindung an den freien Westen, die Aussöhnung mit Frankreich und die europäische Einigung. In der
Innenpolitik die Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge sowie der Ausbau der sozialen Marktwirtschaft als neuwertige Wirtschaftsordnung.
Am Ende der dritten Kanzlerschaft Adenauers überwogen jedoch die Unsicherheiten. Die Veränderung der politischen Grosswetterlage verschäfte den sowjetischen Druck
auf Berlin. Die Innenpolitik geriet unter den Einfluss des Personalringens um die Nachfolge des “Alten”. In dem Masse, wie die Generationen der Weltkriege den Kindern
des Wiederaufbaues Platz machten, verlor Konrad Adenauer an Anziehungskraft. Sein letzter grosser politischer Erfolg war die Unter- zeichnung des deutsch-französischen
Vertrages, der über die Zusammenarbeit der beiden Staaten hinaus auf Europa als grosse Zielsetzung der Adenauerschen Politik verwies.
Als er 91jährig am 19. April 1967 starb, wurde er als Staatsmann, dem die Deutschen in der Bundesrepublik Freiheit, Wohlstand und soziale Gerechtigkeit verdankten, weltweit gewürdigt. |
|
14. Januar 1988 100. Geburtstag Jakob Kaiser
Am 06. Februar 1888 in Hammelburg/Unterfranken geboren, erlernte Jakob Kaiser wie sein Vater das Buchbinderhandwerk
Über den katholischen Gesellenverein Kolpings fand er frühzeitig den Weg in die christliche Gewerkschaftsbewegung. Von 1912
bis 1933 stand Jakob Kaiser an führender Stelle in der christlichen Gewerkschaftsbewegung. Früh schloss er sich der
Zentrumspartei an. Als Abgeordneter von Essen gehörte er dem letzten demokratisch gewählten Reichstag an.
Als 1933 die NS von Kaiser verlangte, dass er die Unterstellung der christlichen Gewerkschaften unter Hitler unterschreiben
sollte, lehnte Jakob Kaiser ab. Dies trug ihm nicht nur die sofortige Absetzung ein, sondern auch seinen ersten Haftbefehl.
Nach Auflösung der Gewerkschaften engagierte er sich in einer acht Jahre währenden Ausein- andersetzung mit der Arbeitsfront für die Rechte der ehemaligen Angestellten der christliche Gewerkschaftsbewegung.
Dieser Kampf um das Recht war zugleich die Tarnung der politischen Wiederstandsarbeit gegen das NS-Unrechtssystem. Sofort
nach 1933 führte er Gespräche mit Wilhelm Leuschner von den freien Gewerkschaften und Max Habermann vom
deutsch-nationalen Handlungsgehilfenverband. Der gewerkschaftliche Flügel der Widerstandsbewegung stand zugleich in enger
Zusammenarbeit mit Karl-Friedrich Goerdeler und den Generalobersten von Hammerstein und Beck. Kaisers Anliegen war, eine künftige Einheitsgewerkschaft als
Bollwerk gegen den Nationalsozialismus aufzubauen. 1938 wurde Jakob Kaiser von der Gestapo unter der Anschuldigung des Hoch- verrats für neun Monate verhaftet.
Da er zum engeren Kreis der Männer des 20. Juli 1944 gehörte, musste er sich nach den 20. Juli in einem Keller in Berlin-Babelsberg verborgen halten, während ein
grosser Teil seiner Familie als Sippenhaft in KZ-Lagern festgehalten wurden.
1945 war Jakob Kaiser Mitbegründer der CDU in Berlin und die sowjetische Besatzungszone und Ende 1945 (nach Absetzung von Andreas Hermes durch die russische
Besatzungsmacht) Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands. Am Aufbau der Sozialaus- schüsse der CDU arbeitete er intensiv mit, später war er
lange Jahre Vorsitzender und Ehren- vorsitzender der Sozialausschüsse der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Bis Ende 1947 gelang es Jakob Kaiser,
die Unabhängigkeit der CDU gegenüber der sow- jetischen Besatzungsmacht zu behaupten. Ende 1947 wurde er von der sowjetischen Besatz- ungsmacht aller Ämter
enthoben. Er war Berliner Stadtverordneter und vertrat Berlin im Par- lamentarischen Rat. Bei der Wahl zum 1. Deutschen Bundestag am 14.08.1949 wurde er in seinem
alten Essener Wahlkreis als CDU-Abgeordneter gewählt und wurde Minister für gesamtdeutsche Fragen. Zehn Jahre – zwischen 1948 und 1958 – arbeitete er als
Vorsitzender der Sozialausschüsse in der CDU. 1950 übernahm er den Vorsitz der Exil-CDU und wurde Stellvertretender Vorsitzender, ab 1958 Ehrenvorsitzender der CDU in der Bundesrepublik.
Zu seinem 70. Geburtstag, am 8. Februar 1958, wurden die Verdienste Jakob Kaisers um Berlin mit der Verleihung der Ehrenbürgerrechte geehrt. Wenig später – am 7.
Juni 1958 – ehrte ihn die Stadt Homburg mit ihrer Ehrenbürgerwürde wegen seiner Verdienste um die Wiedervereinigung des Saarlandes mit Deutschland.
Mit nie erlahmender Kraft setzte er sich für die Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands ein. Das war und blieb sein Lebensziel. Auch im Kampf um das Saarland
setzte er sich durch. Das war seine grösste Genugtuung. In der Politik steht der Name Jakob Kaiser noch heute für: starke Gewerkschaften und soziale Gerechtigkeit; für
selbstlosen Einsatz gegen Diktatur und Willkür; für Einigkeit und Recht und Freiheit. Mit Jakob Kaiser ernannten der Senat und das Abgeordnetenhaus erstmals einen
CDU-Politiker zum Ehrenbürger der Stadt. Geehrt wurde mit Jakob Kaiser nicht nur der frühere Reichstagsabgeordnete und Führer der christlichen Gewerkschaften,
sondern auch der aufrechte Widerstandskämpfer in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. »Darüber hinaus«, heißt es in der Ehrenurkunde, »sollen durch
diese Ehrung seine Mitwirkung bei der Gründung der CDU für Berlin und die sowjetisch besetzte Zone und des Kuratoriums >Unteilbares Deutschland< und nicht zuletzt
seine aufopferungsvolle und selbstlose Arbeit als Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen ihre volle Würdigung finden.«
Nach langer, schwerer Krankheit starb Jakob Kaiser am 07. Mai 1961 in Berlin. Dort fand der Ehrenbürger der Stadt seine letzte Ruhestätte. |
|
14. Januar 1988 25 Jahre Vertrag über die Deutsch-Französische Zusammenarbeit
Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französche Staatspräsiden
Charles de Gaulle in Paris den “Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik über die deutsch-französische Zusammenarbeit.
Dem Vertrag ist eine gemeinsame Erklärung vorangstellt, in der beide Seiten sich zur Versöhnung, Solidarität ihrer Völker, Festigung der deutsch-französischen Freundschaft und zur Verstärkung der Zusammenarbeit als
unerlässliche Schritte zu einem vereinten Europa bekennen. Die Vertragsbestimmungen befassen sich mit Organisation und Programm für eine enge Zusammenarbeit beider
Staaten in den Bereichen der Auswärtigen Angelegenheiten, der Verteidi- gung und der Erziehungs- und Jugendfragen. Zur Organisation der Zusammenarbeit sieht der Vertrag eine dichte Folge regelmässiger Treffen
auf allen Regierungsebenen vor. So treffen die Staats- und Regierungschefs beider Länder zweimal im Jahr zu
zweitägigen Konsultationen zu- sammen. Dabei werden sie regelmässig von Mitgliedern ihrer Regierungen begleitet. Für die Aussenminister sind vierteljähliche Begegnungen
festgelegt. Im Ausland arbeiten die diplomatischen und konsularischenVertretungen beider Länder eng zusammen.
Dieser Vertrag ist der Höhepunkt und Schlussstein für die Versöhnung zwischen dem deutschen und dem französischen Volk, die eine jahrhundertealte Rivalität beendete,
und -wie es in der gemeinsamen Erklärung lautet,- ein geschichtliches Ereignis darstellt, das das Verhältnis der beiden Völker zueinander von Grund auf neu gestaltet. Sie ist
zugleich Grundstein für die enge Zusammenarbeit beider Staaten, die in den vergangenen 25 Jahren ständig fortentwickelt und vertieft worden ist.
Heute erstreckt sich die Zusammenarbeit über die im Vertrag ausdrücklich genannten Bereiche hinaus auf alle Gebiete von gemeinsamen Interesse. Anmerkung zum Motiv: Bei dieser Ausgabe gab es Stimmen, die mit der Ausführung so gar nicht zufrieden waren: “Während Konni Adenauer freundschaftlich lächend zu seinem Partner
schaut, blickt Charles de Gaulle in die Gegend und interessiert sich nicht für unseren Kanzler!” Aber so ist das im Leben, wenn man keine Sorgen hat und viel Langeweile, dann kommt man auf solche Ideen. |
|
15. Januar 1987 90. Geburtstag von Ludwig Erhard
Ludwig Erhard, geboren am 04. Februar 1897 in Fürth/Bayern, war einer der grossen Wirtschaftspolitiker unserer zeit. Mit seinem
Namen verbindet sich die Durchsetzung der Sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik.Erhard wuchs auf in einer
mittelständischen Kaufmannsfamilie mit drei Geschwistern. Nach dem Kriegsdienst studierte er ab 1919 an der Handelshochschule
Nürnberg und an der Universität Frankfurt.. Er wurde Diplom-Kaufmann und promovierte bei Franz Oppenheimer zum Dr. rer. pol.
Er war vierzehn Jahre lang Mitarbeiter desPioniers der Marktforschung Wilhelm Vershofen am Nürnberger Institut für
Wirtschaftsforschung. Seine Denkschrift über die wirtschaftliche und finanzielle Überwindung der Kriegsfolgen wurde von Carl
Goerdeler, einem deutschen Wiederständler, seinen Freunden empfohlen für die Bewältigung wichtiger Nachkriegsprobleme.Von
Herbst 1945 bis Ende 1946 war Ludwig Erhard bayerischer Wirtschaftsminister. 1947 wurde er Honorarprofessor an der Uni
München. Mit der Währungsreform verband er eine Wirtschaftsreform, indem er zahllose bürokratische Vorschriften sowie den
Lohn- und Preisstop aufhob und auch die Gewerbefreiheit wieder einführte. Es entstand ein Klima nachhaltiger wirtschaftlicher und sozialer Erneuerung.
Ludwig Erhard war ein Vorkämpfer des europäischen Zusammenschlusses, wobei er den funktionellen Formen der Kooperation den Vorzug vor institutionellen gab.
1963 wurde er zweiter Bundeskanzler der Bundesrepublik. Die Bundestagswahlen 1965 bestätigten ihn eindrucksvoll. Er setzte sich für die Stärkung des nordatlantischen
Bündnisses ein, ohne das Verhältnis zu Frankreich zu vernachlässigen. Mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel verband er die Hoffnung auf eine
Aussöhnung der Völker. In einer Note an alle Staaten der Welt, der “Friedensnote”, bekräftigte er seine Politik eine Normalisierung der Beziehungen der
Bundesrepublikauch zu den kommunistischen Ländern. Ludwig Erhard trat am 01. Dezember 1966 zurück. 1972 und 1976 trat er erneut als Alterspräsident des Bundestages kurz in Erscheinung. Anmerkung zum Motiv: Der Entwurf stammt von Professor Gerd Artz, Wuppertal, nach einem Foto aus dem Jahre 1963. Als dieses Motiv bekannt wurde, ging ein Aufschrei durch die
Bundesrepublik: Es kann doch nicht sein, dass ein Repräsentant der Bundesrepublik mit einer Zigarre auf einer Briefmarke abgebildet werden könne. Der Untergang des Landes
drohte.Gottseidank setzte sich die Vernunft durch Ludwig Erhard wurde so abgebildet, wie man ihn kannte. Die Bedenkenträger trollten sich, Spott und Häme im Gepäck. |
|
13. November 1986 Frauen der deutschen Geschichte: Christine Teusch
Christine Teusch wurde am 11. Oktober 1888 in Köln-Ehrenfeld geboren. Nach dem Examen als Oberschullehrerin unterrichtete sie
von 1910 bis 1913 in Neuss und legte 1913 die Rektorprüfung ab. Neben ihrer beruf- lichen Tätigkeit übernahm sie 1917 die
Betreuung von 50.000 Munitions- arbeiterinnen beim 7. Armeekorps in Essen. Sie erlebte viele Notsituati- onen der arbeitenden
Frauen und Mädchen und kämpfte um die Verbesserung ihrer wirt- schaftlichen Lage. Anfang 1918 wurde sie erste
“Frauensekretärin” beim Gesamtverband der Christlichen Gewerkschaften und übernahm die Leitung eines neugegründeten
Frauendezer- nates.Mit der Einführung des Frauenwahlrechtes im November 1918 errang sie 1919 als Abgeordnete der
Zentrumspartei ein Mandat für die Weimarer Nationalversammlung. Im Juni 1920 wurde sie in den Reichstag gewählt. Mit Auflösung
der Zentrumspartei und des letzten gewählten Reichstages verlor Christine Teusch ihr Mandat. Sie arbeitete wieder im Schuldienst
und im Katholischen Mädchenschutzverein, den sie mit Unterbrechung in der NS-Zeit von 1923 bis 1965 leitete.
Christine Teusch litt sehr unter der Diktatur. Sie scheute sich nicht, gegen die Übergriffe von Staat und Partei mit aller Schärfe
Stellung zu nehmen. Vernehmungen und Hausdurchsuchungen waren die Folge. Wegen ihrer Gradlinigkeit und Unerschrockenheit
war sie dem Regime im Wege und in ständiger Gefahr, von der Gestapo verhaftet zu werden. Der Einmarsch der Amerikaner bewahrte sie vor der Ermordung.
Sogleich nach Kriegsende -von Konrad Adenauer nach Köln zurückgeholt- begann sie wieder ihre politische Tätigkeit in der
neugegründeten CDU. Als Mitglied des ersten Landtages von NRW berief Ministerpräsident Karl Arnold sie 1947 zum Kultusminister. Sie wurde somit zur ersten Frau in einem Ministeramt in ganz Deutschland
Christine Teusch starb am 24. Oktober 1968 nach einer schweren Erkrankung. |
|
10. November 1982 Grundgedanken der Demokratie - Bundespräsidenten - Heinrich Lübke
Heinrich Lübke wurde am 14. Oktober 1894 in Enkhausen (heute Hochsauerlandkreis/Westfalen) geboren. Sein Vater war
Schuhmacher und betrieb nebenbei eine kleine Landwirtschaft. Nach dem Abitur 1913 studierte Lübke in Bonn, Berlin und Mnster
Geodäsie, Kulturbautechnik, Landwirtschaft, Volkswirtschaft, Verwaltungsrecht und Philosophie. Er legte sein geodätisches Abschlussexamen und das Große Kulturbautechnische Examen ab.
Der erste Weltkrieg unterbrach diese Studien. Vom 1. August 1914 bis Dezember 1918 war er Soldat, wurde mit dem Eisernen
Kreuz I. und II. Klasse ausgezeichnet und schied als Leutnant der Reserve aus dem Militrdienst aus.
Ab 1923 war Heinrich Lübke in verschiedenen landwirtschaftlichen Organisationen tätig; ihr Zusammenschluss zur Deutschen
Bauernschaft und die Gründung der Siedlungs-AG "Bauernland" sind weitgehend auf seine Initiative zurckzuführen.
Seit 1931 war er Abgeordneter der Zentrumspartei im Preuischen Landtag, 1933 wurde er aus allen Ämtern entlassen und später
zweimal aus politischen Gründen verhaftet. Von 1937 bis 1946 arbeitete er im städtischen Siedlungswesen und für Industriebau-Unternehmen.
1945 schloss sich Lübke der CDU an und wurde noch im Sommer des gleichen Jahres Mitglied des von der britischen Militärverwaltung ernannten Provinziallandtages von
Westfalen und am 2. Oktober 1946 nordrhein-westfälischer Landtagsabgeordneter. Vom 6. Januar 1947 bis zum 31. Dezember 1952 gehörte er als Minister für
Landwirtschaft und Ernährung dem Kabinett in Nordrhein-Westfalen an.
Unmittelbar nach dem Ausscheiden aus dem Kabinett nahm er seine Ttigkeit als Generalanwalt des Deutschen Raiffeisenverbandes in Bonn auf. Am 28. Juli 1953 ernannte
ihn die Landwirtschaftliche Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universitt zum Dr. h.c.
Schon am 14. August 1949 war Heinrich Lübke in den ersten Deutschen Bundestag gewählt worden, am 13. Oktober bereits war er Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung, Landwirt-- schaft und Forsten
Auch in den zweiten Deutschen Bundestag wurde Dr. Heinrich Lübke gewählt, und am 20. Oktober 1953 berief ihn Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer als
Bundesminister für Ernhrung, Landwirtschaft und Forsten in sein Kabinett
Die Bundesversammlung wählte ihn am 1. Juli 1959 in Berlin auf Vorschlag der CDU/CSU zum Nachfolger des Bundespräsidenten Professor Dr. Theodor Heuss. Am 1.
Juli 1964 stellte er sich ein zweites Mal zur Wahl und wurde mit groer Mehrheit zum Bundesprsidenten wiedergewählt. Am 30. Januar 1969 verließ Dr. Heinrich Lbke, drei
Monate vor Ablauf seiner Amtszeit, die Villa Hammerschmidt. Als Bundesprsident kannte er zwei besondere Anliegen: die deutsche Frage und die Notwendigkeit recht
verstandener Entwicklungshilfe für die Völker Afrikas, Asiens und Sdamerikas. Heinrich Lübke starb am 6. April 1972 und wurde in seiner Heimatgemeinde Enkhausen beigesetzt. |
|
10. November 1982 Grundgedanken der Demokratie - Bundespräsidenten - Prof. Karl Carstens
Karl Carstens wird am 14. Dezember 1914 als Sohn eines protestantischen Studienrates in Bremen geboren. Der Vater fällt
bei Beginn des Ersten Weltkrieges noch vor der Geburt des Sohnes Nach dem Abitur beginnt Carstens 1933 ein Studium
der Rechtswissenschaften und der politischen Wissenschaften an den Universitäten Frankfurt/Main, Dijon/Frankreich, München, Königsberg und Hamburg.
Carstens absolviert die Erste (1936) und Zweite (1939) juristische Staatsprüfung sowie 1937/38 seine Promotion zum Dr.
jur. mit dem Thema "Der gutgläubige Erwerb von Pfandrechten an Grundstücksrechten" in Hamburg.
Kriegsdienst bei der Flakartillerie im Zweiten Weltkrieg. Dem Aufnahmeantrag in die NSDAP, den er als Referendar auf
Veranlassung des Landgerichtspräsidenten und unter Androhung beruflicher Nachteile gestellt hatte, wird stattgegeben. Einer aktiven Mitgliedschaft in der Partei geht Carstens nicht nach.
1944 heiratet er Veronika Prior, einer Rotkreuzschwester im Lazarettdienst. Veronika Carstens studiert ab 1956 Medizin
und wird später Fachärztin für innere Medizin. 1945 erfolgt der Eintritt in eine renommierte Anwalts-Sozietät in Bremen,
1946 bis 1958 ist er als Diakon an der St.-Petri-Domkirche in Bremen tätig.Mit einem Jahresstipendium studiert Carstens
1948/1949 an der amerikanischen Yale-Universität in New Haven/Connecticut. Er erwirbt 1949 den Grad eines Master of Law.
Von 1949 bis 1954 ist er Rechtsberater des Bremer Senats und Bevollmächtigter Bremens beim Bund, ab 1950 lehrt Carstens an der Universität Köln. 1952 erfolgt die
Habilitation an der Universität Köln. Als Privatdozent hält er Vorlesungen über Staatsrecht und Völkerrecht. Im Auswärtigen Dienst ist Prof. Carl Carsten von 1954 bis
1966 tätig, zusätzlich 1954/55 als ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland beim Europarat in Straßburg. 1955 wird er aufgrund seiner Beschäftigung mit
Europafragen als Experte für Europafragen ins Auswärtige Amt nach Bonn berufen. Er tritt in die CDU ein. 1956 veröffentlicht Carstens seine Schrift "Das Recht des
Europarates". Er wird stellvertretender Leiter und kurz darauf Leiter der politischen Abteilung West I Europa im Auswärtigen Amt, es folgt im Juli 1960 die Berufung zum
Staatssekretär im Auswärtigen Amt sowie die Berufung zum Professor für Staats und Völkerrecht an der Universität Köln. Im Juli 1961 erfolgt die Ernennung zum
ständigen Vertreter des Bundesaußenministers Heinrich von Brentano (CDU) und dessen Nachfolger Gerhard Schröder (CDU).
Nach Bildung der Grossen Koalition wird Bundesaußenminister Gerhard Schröder (CDU) neuer Bundesverteidigungsminister. Carstens folgt ihm und wird Staatssekretär
im Verteidigungsministerium. 1968/69 wird Carstens Chef des Bundeskanzleramtes bei Kurt-Georg Kiesinger und Staatssekretär der Bundesregierung. Mit Bildung der
sozial-liberalen 1969 scheidet Carstens aus dem Staatsdienst aus.
Er wird Leiter des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Bonn und veröffentlicht die Schrift "Politische Führung - Erfahrungen im Dienst
der Bundesregierung". Von 1972 bis 1979 ist er Mitglied des Bundestages für die CDU.
Als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag erregt Carstens mit seiner ersten Rede im Februar 1973 in der Debatte um den Grundlagenvertrag Aufsehen.
Nach dem Rücktritt von Rainer Barzel aufgrund der Abstimmungsniederlage im Zusammenhang mit dem Beitritt der Bundesrepublik zur UNO wird Carstens neuer
Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. Von 1976 bis 1979 bekleidet er das Amt des Bundestagspräsidenten. Im Januar 1979 schlägt die CDU/CSU-
Fraktion Carstens gegen starken Widerstand der SPD und F.D.P. für das Amt des Bundespräsidenten vor. In Pressekampagnen wird Carstens seine frühere NSDAP-
Mitgliedschaft vorgeworfen. Am 23. Mai 1979 erfolgt die Wahl zum fünften Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland. Carstens stellt sich in seinen Reden als
Fürsprecher von Leistungswillen, Einsatzwillen und Pflichtbewußtsein dar. Er bemüht sich um strenge Objektivität und beweist bei vielen Gelegenheiten Würde, Stil und
politische Sensibilität. Er sucht verstärkt den Dialog zur Jugend und führt die großen Jugendtreffen in der Villa Hammerschmidt ein.
Etwa 2.000 Menschen begleiten Bundespräsident Carstens auf seiner Wanderung im Januar 1982 in einem Waldgebiet zwischen Hattingen und Essen. Seit Beginn seiner
Amtszeit 1979 hat Carstens die Bundesrepublik bereits von der Ostsee bis zu den Alpen zu Fuß durchquert.
Staatsreisen führen Carstens nach Jamaika, in die Schweiz, in die Volksrepublik China sowie nach Italien, wo er unter anderem mit dem Papst zusammentrifft.
Im November nimmt er an den Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnew teil und trifft dort auch mit dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Hohnecker zusammen.
Als Bundespräsident verfügt Carstens am 07. Januar 1983 die Auflösung des Bundestages und setzt Neuwahlen an, nachdem die Regierung Schmidt durch ein
konstruktives Misstrauenvotum von CDU/CSU und der F.D.P. abgelöst wird. Carstens rechtlich nicht unumstrittene Entscheidung wird im Februar 1983 vom Bundesverfassungsgericht bestätigt.
Carstens besucht als erster deutscher Bundespräsident Jugoslawien. Im gleichen Jahr nutzt er einen Besuch in den USA zu Reden vor dem amerikanischen Kongreß und
vor der UN-Vollversammlung. Sein letzter Staatsbesuch führt ihn im Februar 1984 nach Indonesien. Am 23. Mai 1984 erfolgt die Wahl von Richard von Weizsäcker
(CDU) zu seinem Nachfolger als Bundespräsident. Unter Hinweis auf sein Alter hatte sich Carstens schon früh gegen eine zweite Amtsperiode ausgesprochen. Nach
seinem Ausscheiden aus dem Amt hält sich Carstens aus politischen Aktivitäten heraus.
Auszeichnung mit dem Karlspreis der Stadt Aachen und der Ehrenbürgerwürde der Städte Bonn und West-Berlin sowie der Universität Köln folgen, viele weitere Ehrungen werden Prof. Karl Carstens zuteil
Karl Carstens stirbt am 30. Mai 1992 im Alter von 77 Jahren in Meckenheim bei Bonn. 1993 erfolgt die Veröffentlichung der autobiographischen Schrift "Erinnerungen und Erfahrungen" Anmerkung: Prof. Karl Carstens ist meines Wissen der bisher einzige Präsident, der die Stadt Borgentreich besucht hat. Anlässlich einer Landvolkkundgebung in
Paderborn im Sommer 1991 stärkte er sich vor seiner Rede bei dem Bundestagsabgeordenten Meinolf Michels in dessen Haus in Großeneder. |
|
05. Januar 1976 100. Geburtstag des Bundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer Konrad Adenauer wurde am 05. Januar 1976 in Köln geboren. Dass Herkunft und Erziehung den rheinischen Katholiken
Konrad Adenauer in das Zentrum führten, lag auf der Hand. Seine politische Laufbahn begann, nachdem er 1904 Emma
Weyer geheiratet hatte. Durch diese Heirat kam er in Verbindung mit dem gesellschaftlich und politisch tonangebenden
Bürgertum. Die Wahl zum Ersten Beigeordneten der Stadt machten ihn 1909 zum Stellvertreter des Oberbürgermeisters Max
Wallraff, dessen Nachfolger er 1917 wurde. Dem beruflichen Erfolg standen Schicksalsschläge im persönlichen Bereich gegenüber. 1916 starb seine Frau, die ihm drei Kinder geboren hatte.
In der Weimarer Zeit gehörte Adenauer zu den stärksten politischen Persönlichkeiten Deutschlands. Er machte sich durch
einen fortschrittlichen Ausbau Kölns zur “Metropole des Westens” einen Namen. Die Neugründung der Uni 1919, die
Umgestaltung des früheren Festungsgeländes zum Grüngürtel, die Wiederbelebung der Kölner Messe, die Erweiterung des
Rheinhafens, der Bau einer weiteren Rheinbrücke und die Ansiedlung von Industriebetrieben fielen in seine Amtszeit.
Von überregionaler Bedeutung war sein Einfluss im Amt eines Präsidenten des Preussischen Staatsrates, das er von 1921 bis
1933 inne hatte.Als die Nazis 1933 die Regierung übernahmen, wurde er seines Postens als Oberbürgermeisters von Köln
enthoben und aus seiner Heimatstadt verbannt. Die NS-Jahre überlebte Adenauer mit seiner Familie in Rhöndorf, zeitweilig in Gestapo- haft.
Die Amerikaner machten den 69jährigen wieder zum Kölner OB. Doch schon nach wenigen Monaten entliessen sie ihn aus
dem Amt, nachdem er ihre Besatzungspolitik kritisiert hatte. In der Folge konzentrierte er sich auf die Arbeit in der CDU, der
er kurz nach ihrer Gründung beigetreten war. Schon im März 1946 wurde er Vorsitzender der CDU der britischen Zone.
Der entscheidende Schritt auf seinem Weg zur Spitze des entstehenden westdeutschen Staats- wesens war seine Wahl zum Präsidenten des Parlamentarischen Rates. In
dieser Stellung wurde er zum “Sprecher der werdenden Bundesrepublik” (Heuss) und gewann so in der Öffentlichkeit Ansehen. Vom ersten Deutschen Bundestag wurde
der 73jährige am 15. September 1949 zum Bundeskanzler gewählt. Die von ihm geführten Regierungen begründeten den erfolgreichen Aufbau der neuen Demokratie. In
der Aussenpolitik die Erringung der staatlichen Souveranität, die enge Bindung an den freien Westen, die Aussöhnung mit Frankreich und die europäische Einigung. In der
Innenpolitik die Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge sowie der Ausbau der sozialen Marktwirtschaft als neuwertige Wirtschaftsordnung.
Am Ende der dritten Kanzlerschaft Adenauers überwogen jedoch die Unsicherheiten. Die Veränderung der politischen Grosswetterlage verschäfte den sowjetischen Druck
auf Berlin. Die Innenpolitik geriet unter den Einfluss des Personalringens um die Nachfolge des “Alten”. In dem Masse, wie die Generationen der Weltkriege den Kindern
des Wiederaufbaues Platz machten, verlor Konrad Adenauer an Anziehungskraft. Sein letzter grosser politischer Erfolg war die Unter- zeichnung des deutsch-französischen
Vertrages, der über die Zusammenarbeit der beiden Staaten hinaus auf Europa als grosse Zielsetzung der Adenauerschen Politik verwies.
Als er 91jährig am 19. April 1967 starb, wurde er als Staatsmann, dem die Deutschen in der Bundesrepublik Freiheit, Wohlstand und soziale Gerechtigkeit verdankten, weltweit gewürdigt. |
|
15. Januar 1974 Bedeutende deutsche Frauen: Bürgerechtlerinnen - Gertrud Bäumer Gertrud Bäumer wurde am 12. September 1873 im westfälischen Hohenlimburg als Tochter eines Pfarrers geboren. Schon in jungen
Jahren verzieht ihre Fam,ilie nach Pommern, wo der Vater Kreisschulinspektor wird. Nach dem Abschluss der Höheren
Töchterschule in Halle/Saale beginnt sie ei Lehrerinnenseminar in Magdeburg, anschliessend beginnt sie ihre Lehrtätigkeit in
Halberstadt, Kamen und Magdeburg. 1896 begründet sie den Magdeburger Lehrerinnenverein und lernt darüber die Führerin der
bürgerlichen Frauenbewegung, Helene Lange, kennen mit der sie ab 1901 das fünfbändige “Handbuch der Frauenbewegung”
herausgibt. Ihrem Oberlehrerinnen- studium 1898/1900 in Berlin folgt bis 1904 das Studium der Germanistik, Theologie, Philosophie
und Soziologie. 1904 promoviert Gertrud Bäumer. Als Redakteurin der Zeitschrift des allgemeinen Frauenvereins (ADF) “Neue
Bahnen” wird sie eine der führenden Persönlichkeiten der über- konfessionellen Frauenbewegung. Von 1910 bis 1919 ist sie
Vorsitzende des Bundes Deutscher Frauenvereine, des Dachverbandes der bürgerlichen Frauenbewegung. Zusammen mit Friedrich
Naumann gibt sie 1912 bis 1940 die Zeitschrift “Die Hilfe” heraus, der Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst. Im Ersten
Weltkrieg gründet sie den “Nationalen Frauendienst”, um Frauen zur Kriegsunterstützung zu organisieren. 1916 wird Gertrud Bäumer Leiterin des Sozialpädago- gischen
Instituts in Hamburg, gleichzeitig veröffentlicht sie als Herausgeberin das Organ der bürgerlichen Frauenbewegung, die Zeitschrift “Die Frau”. Nach dem Krieg beginnt ihre
politische Karriere. Für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) ist sie Mitglied in der verfassung- gebenden Nationalversammlung. 1920 bis 1930 ist sie
Reichstagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der DDP. 1922 wird sie als erste deutsche Ministerialrätin in die kulturpolitische Abteilung des
Reichsinnenministeriums berufen und leitet das Schulreferat sowie die Jugendwohl- fahrt. 1926 wird sie beim Beitritt Deutschlands zum Völkerbund als Delegierte in die
Kommission für humanitäre und soziale Fragen entsandt, obwohl sie zunächst jegliche internationalen Kontakte der organisierten Frauenbewegung ablehnte. 1930 wird sie
Reichstagsabgeordnete für die Deutsche Staatspartei. Mit der Machtübernahme der Nazis wird sie vom Schuldienst suspendiert und mit Volksschullehrerinnenpension
entlassen. 1936 wird sie als Herausgeberin von “Die Frau” abgesetzt. In den Folgejahren lebt sie sehr zurückgezogen in ihrer neuen Heimat Schlesien. Sie arbeitet an dem
historischen Roman “Der Weg des Dante Aligheri”, der 1941 erscheint.
Nach dem Zweiten Weltkrieg engagiert sie sich in Bamberg für den politischen Wiederaufbau in den westlichen Besatzungszonen und ist Gründungsmitglied der CSU. 1948
erfolgt der Umzug nach Bad Godesberg, wo sie künftig die CDU unterstützt. Am 25. März 1954 stirbt sie 80jährig in den Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel. |
|
11. August 1969 50 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland: Helene Weber Helene Weber wurde am 17.03.1881 in Wuppertal/Elberfeld geboren. Ihr Vater war Volksschullehrer und nicht mit großen Gütern
gesegnet. Er weckte das politische Interesse bei seinen sechs Kindern und ermöglichte seiner Tochter Helene eine Ausbildung als
Volksschullehrerin.Nach fünf Jahren in diesem Beruf begann Helene Weber 1905 mit einem Studium der Geschichte. der
Philosophie und der Sprachen. welches sie teilweise in Frankreich absolvierte. Sie gehört damit zu den wenigen Frauen, die sich
bereits um die Jahrhundertwende an den Hochschulen durchsetzten. Während dieser Studienjahre und späterer Auslandsreisen
entwickelte sich ihre Liebe zu anderen Völkern und Kulturen, die die Grundlage zu ihrem späteren Europagedanken bildeten.
Schon vor dem 1.Weltkrieg erkannte Helene Weber die wirtschaftliche Notlage der Frauen und Mädchen, die als ungelernte Kräfte
in der Wirtschaft eingesetzt wurden und denen nur wenige Bildungsmöglichkeiten offenstanden. Sie organisierte Vorträge und
Schulungskurse für die Weiterbildung von Heim- und Industriearbeiterinnen. Ihre privaten und sozialen Aktivitäten mündeten 1916 in
der Gründung der ersten sozialen Frauenschule für Fürsorgerinnenausbildung, eine Vorläuferin unserer heutigen Fachhochschule für
Sozialpädagogik / Sozialarbeit. Zeit ihres Lebens waren die sozialen Berufe ihr größtes Anliegen.
Helene Webers nationale Tätigkeit in katholischen Frauenverbänden fand bald internationale Beachtung und über den Weltbund der
katholischen Frauenorganisationen kam sie 1925 zur internationalen Arbeit. Sie wird als eine großzügige Mitarbeiterin mit
umfassendem Wissen und guten Sprachkenntnissen geschildert, die schnell Verbindungen und Freundschaften mit internationalen
Organisationen knüpfte, die selbst die Zeit des Nationalsozialismus nicht zerstören konnte. Ihre sozialen Aktivitäten blieben auch den Verantwortlichen in der Politik nicht
verborgen. Helene Weber wurde 1919 als Referentin ins Preußische Wohlfahrtsministerium nach Berlin berufen. Ihre Aufgabenbereiche: Soziale Bildungsfragen,
Jugendpflege, Jugendbewegung. 1920 wurde sie zur Ministerialrätin ernannt, ein Titel, den vor ihr noch nie eine Frau erhielt. Von 1933 bis 1945 erhielt Helene Weber aus
politischen Gründen ihre Entlassung und Berufsverbot. Sie arbeitete mit Gleichgesinnten im Untergrund weiter, ihre Wohnung wurde zu einem Treffpunkt einzelner Mitglieder der Widerstandsbewegung.
Nach dem Zusammenbruch des Hitlerregimes kehrte sie in die aktive politische Arbeit zurück. 1946 arbeitete sie im Landtag in Düsseldorf, 1946 - 1948 war sie Mitglied
im Zonenbeirat, 1948 erfolgte die Berufung in den Parlamentarischen Rat; dies war das Vorparlament, das den Entwurf des Grundgesetzes ausarbeitete. Damit war Helene
Weber eine von vier Politikerinnen, die die Grundlage einer neuen demokratischen Regierung in Deutschland legten. Für die Zentrumspartei zog sie 1949 als Abgeordnete
in den Bundestag ein. Später trat sie der CDU bei und war für diese bis 1962 Mitglied im Bundestag. Im Bundeshaus war sie eine legendäre Gestalt. Sie debattierte gern,
steuerte in den Parlamentsdebatten viele vernünftige Beitrage bei, sprach völlig frei und parierte Zwischenrufe schlagfertig und humorvoll. Berühmt war ihre große schwarze
Handtasche, die voller Akten und Schokoladentafeln war, die sie während der langen Parlamentsdebatten verschenkte, u.a. auch an den Bundeskanzler Adenauer, mit dem
sie herzlich befreundet war. Er soll einmal gesagt haben: "Diese Frau hat mehr Politik im kleinen Finger als mancher Mann in der ganzen Hand."
Auch in der neuen Regierung der Nachkriegszeit waren ihre Anliegen die Jugendfürsorge, der Schutz der Mütter, die Sicherung der Familie sowie die Sicherung der Frau
im Beruf. Sie wehrte sich gegen mangelndes Wissen, Einseitigkeit und Engstirnigkeit. Von 1951 - 1962 war Helene Weber Vorsitzende des Müttergenesungswerkes.
Schwerpunkt ihrer Arbeit war die Gleich- berechtigung der Frau in der Gesellschaft.
Helene Weber war neben allem Einsatz für soziale und innenpolitische Probleme eine engagierte Kämpferin für die europäische Einheit. Mit der Aufnahme der
Bundesrepublik in den Europarat 1950 gehörte auch sie zu den Mitgliedern der deutschen Delegation in Straßburg. Mit Hilfe ihrer guten Sprachkenntnisse erwarb sie sich
bald die Achtung der europäischen Kollegen. Ab 1957 übernahm sie die Leitung der deutschen Delegation und blieb bis zu ihrem Lebensende deren Sprecherin.
Der Europarat fand folgende Worte für ihren Nachruf, als sie mit 81 Jahren, bis zum letzten Tag aktiv in der Politik tätig, am 25.07 1962 verstarb: " ... Weisheit und große Kenntnis zeichneten die Mitarbeit von Frau Weber in unseren Sitzungen aus, in denen wir durch ihre geistige Wendigkeit und die
Treffsicherheit ihrer Bemerkungen überrascht wurden. Aus religiöser Überzeugung von einem hohen Ideal der Menschlichkeit durchdrungen, hat Helene Weber
stets ohne Unterlaß für die soziale Gerechtigkeit gekämpft ... ". Am 18.03.1983 wurde die ",Bildungsstätte des Kreises Paderborn'' in einer Feierstunde in "Helene-Weber-Schule" umbenannt. |
|
19. Juli 1968 1. Todestag des Bundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer

Schnell reagierte die Deutsche Bundespost im Juli 1968, als eine Sondermarke zum ersten Todestag von Konrad Adenauer erscheinen sollte.
Die bereits gedruckte Version (links) zeigte das Portrait des ersten Bundeskanzlers auf lebhaftrotem Untergrund. “Zu rot” entschied man sich in letzter Minute aus politischen Gründen.
Die neu produzierte und verausgabte Auflage weist statt dessen einen orangefarbenen Hintergrund auf. Es kamen jedoch Mustermarken mit entsprechendem Stempel in Umlauf, die als “Roter
Adenauer” in die Philateliegeschichte eingingen. Wer eine solche Mustermarke besitzt, zählt dieses Exemplar zu den Glanzstücken -auch wertmässig- seiner Sammlung. |
|
 19. April 1968 1. Todestag des Bundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer Blockausgabe
Zum ersten Todestag des Altbundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer erschien in der Bundesrepublik der Block 4 mit den Abbildungen von: Konrad Adenauer Sir Winston Churchill (1874-1965),
Alcide de Gasperi (1881-1954) und Robert Schumann (1886-1957).
|
|
01. Juli 1964 Wahl des Bundespräsidenten Dr. h.c. HeinrichLübke
14. Oktober 1967 Wiederwahl des Bundespräsidenten Dr. h.c. Heinrich Lübke
 Präsident Heinrich Lübke, ein bescheidener Sauerländer, wollte den Personenkult auf Brief-
marken nicht mitmachen wie sein Vorgänger und wesentlich intersiver sein Nachfolger. Er bat daher darum, dass keine Briefmarke mit seinem Konterfei erscheinen solle. Als Repräsentant der
Bundesrepublik konnte er sich dem jedoch nicht ganz entziehen, so dass er schliesslich die Erlaubnis gab, vier Briefmarken (jeweils zwei für die Sammmelgebiete Bund und Berlin) zu
emittieren. Anlässlich seiner Wiederwahl wurde wiederum vier Marken für Bund/Berlin mit geänderten Wertstufen an die Postschalter gebracht. |
|
30. Juni 1960 2. Todestag des Berliner Bürgermeisters Walther Schreiber Walther Carl Rudolf Schreiber wurde am 10. Juni 1884 in Pustleben bei Nordhausen geboren. Nach dem Jura- und
Volkswirtschaftsstudium, u. a. in Berlin, promovierte er 1910. Von 1911 bis 1925 arbeitete er als Rechtsanwalt und Notar in Halle. Im Ersten Weltkrieg kriegsfreiwilliger Offizier, wurde er im
November 1918 in den Soldatenrat bei der Obersten Heeresleitung gewhlt. Als Mitglied der DDP war er 1919-1933 Mitglied des
Preuischen Landtages und u. a. Geschftsführer und Vorsitzender seiner dortigen Fraktion. 1927 erhielt er die Ehrendoktorwrde der
Wirtschaftshochschule Berlin. 1925-1933 wirkte Schreiber als preuischer Minister für Handel und Gewerbe. Erst 1934 bekam er wieder
eine Zulassung als Rechtsanwalt und Notar. Über Julius Leber hatte er Verbindung zum antifaschistischen Widerstand.
Nach der Kapitulation Hitler-Deutschlands bereitete Walther Schreiber gemeinsam mit dem früheren Reichsminister Andreas Hermes
die Grndung der CDU vor. Hermes wurde vom Grndungsausschuß zum Ersten Vorsitzenden, Schreiber zu dessen Stellvertreter
gewählt. Am 22. Juli 1945 hielt Schreiber die Eröffnungsrede auf der Gründungskundgebung im Theater am Schiffbauerdamm. Zu den
Gründungsmitgliedern gehrten unter anderen Ferdinand Friedensburg, Theo Steltzer, Otto Nuschke und Ernst Lemmer sowie Dr. Ferdinand Sauerbruch.
Schreiber und Hermes lehnten ihre Zustimmung zur Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone ab. Daraufhin wurde ihnen am 19. Dezember 1945 der Befehl
übermittelt, daß sie von ihren Funktionen zurckzutreten hätten. Noch am gleichen Tag wurden Jakob Kaiser und Ernst Lemmer zu ihren Nachfolgern gewählt.
Am 20. Oktober 1946 wurde Schreiber in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt und übernahm dort die Funktion des stellvertretenden
Stadtverordnetenvorstehers; Stadtverordnetenvorsteher war sein späterer Nachfolger im Amt des Regierenden Bürgermeisters, Otto Suhr. Im Frühjahr 1947 wurde er
Vorsitzender des Landesverbandes der Berliner CDU und einige Zeit danach auch der Fraktionsvorsitzende der CDU im Stadtparlament. Als am 20. Dezember 1947 Kaiser
und Lemmer durch die SMAD ihrer Ämter enthoben wurden, stellte sich der Berliner Landesvorstand der CDU unter Leitung von Schreiber mit einer Entschlieung am 30. Dezember hinter die Abgesetzten.
In der Stadtverordnetenversammlung waren es vor allem Fragen der Wirtschaftsordnung, die Schreiber, der von Beruf Jurist war und bereits in der preuischen Regierung von
Otto Braun 1925 als jüngster Minister bis 1933 das Ressort Handel und Gewerbe ausübte, vehement gegen die Interessen der SED, aber auch gegen die der SPD vertrat - so
zum Beispiel in der Frage der von der SPD nicht gewünschten Wiederzulassung von Arbeitgeberorganisationen oder auch in der Frage der Geschftsaufnahme privater Banken.
Bei den Wahlen am 3. Dezember 1950 zum Westberliner Abgeordnetenhaus hatte die von Schreiber gefhrte CDU einen großen Erfolg. Am 12. Januar 1950 gab es ein "Patt"
bei der Wahl des Regierenden Bürgermeisters, und die Berliner nannten beide Kandidaten, Ernst Reuter und Walther Schreiber, scherzhaft "Doppeltes Lottchen". Sie erhielten
jeweils 62 Stimmen. Sechs Tage spter trat Schreiber von seiner Kandidatur zurck und übernahm, wie er später sagte - sehr gegen seinen Willen - das Amt des stellvertretenden Regierungschefs.
Nach dem plötzlichen Ableben von Ernst Reuter am 29. September 1953 wurde Walther Schreiber auf einer außerordentlichen Sitzung des Abgeordnetenhauses am 22.
Oktober wiederum mit 62 Stimmen zum Regierenden Brgermeister gewählt. Schreiber wurde in seiner Eigenschaft als Regierender Brgermeister von West-Berlin auch
Mitglied des Bundesrates. Er hat später die gute und kameradschaftliche Zusammenarbeit mit Ernst Reuter hervorgehoben. Als Zeugnis ist ein Brief Ernst Reuters vom 29.
August 1953 zu nennen, als sich Schreiber einige Tag im Krankenhaus aufhalten mute, in dem Reuter unter anderem schreibt: "Ich habe so wenig wie Sie wohl auch die
Neigung, andere überflssig zu belästigen, aber es ist immer gut, wenn man weiß, da andere auch da sind."
Im Zusammenhang mit der Eingliederung Berlins in das finanzielle und ökonomische Gefüge der Bundesrepublik waren die Ausweitung der Bundeshilfe und die
Rechtsangleichung fr den Regierenden Brgermeister vordringliche Aufgaben. Besonderen Raum sowohl in seiner Regierungserklärung als auch in den Debatten der
Abgeordneten nahm trotz der diesmal in den Vordergrund gerückten personal- und kommunalpolitischen Schwerpunkte auch weiterhin die Deutschlandpoltik ein. Die
Wiedervereinigung und Rückgewinnung der Hauptstadtfunktion blieben vorherrschende Themen, zumal sich nach Stalins Tod 1953 eine Änderung der sowjetischen Haltung zu
diesen Fragen abzuzeichnen schien. Als besonders schwierig zeigten sich die Verhandlungen des Senats mit der Bundesregierung bei der Bereitstellung der notwendigen
Finanzmittel für Berlin. Bereits in einer Pressekonferenz Anfang April 1953 hatte Schreiber herbe Kritik an der Bundesregierung, insbesondere am Bundesfinanzminister, geübt
und dabei erklrt, da man sich nicht wundern solle, wenn die Berliner erheblich enttäuscht seien. In seinem Grundsatzreferat "Berlin steht für Deutschland" auf dem
CDU-Landesparteitag 1954 mute Schreiber auf die besondere Situation der Koalition in Berlin hinweisen, die Mut zu unpopulären Entscheidungen haben müsse. Immer um
Ausgleich bemüht, ließ Schreiber anklingen, da die besondere Situation Berlins stets ein Zusammenwirken über die Parteigrenzen hinaus erfordere.
Mit der Wahl Otto Suhrs zum Regierenden Brgermeister am 11. Januar 1955 ging die Amtszeit des ersten von der CDU gestellten Regierenden Brgermeisters von West-Berlin
zu Ende. Walther Schreiber hatte den Schwerpunkt seiner Tätigkeit in der kommunalen Strukturverbesserung der Stadt gesehen. Für Walther Schreiber mochte es eine
Genugtuung gewesen sein, daß er -bei einigen Stimmenthaltungen- auf dem Landesparteitag im April 1955 zum Ehrenvorsitzenden der Berliner CDU ernannt wurde. Der
Vorschlag dazu war vom Ortsverband Wilmersdorf, seinem Wohnort, ausgegangen. Ein Versuch, Walther Schreiber zum Ehrenbrger West-Berlins zu machen, scheiterte am Widerstand des SPD-Vorsitzenden Franz Neumann.
Aus seiner ersten Ehe hatte Walther Schreiber einen Sohn und eine Tochter. Sein Sohn, ein junger Architekt, ist als Oberleutnant der Garmischer Gebirgsjger in der
Sowjetunion gefallen. Seit 1947 war Schreiber mit einer Enkelin des im Jahre 1912 verstorbenen, seinerzeit sehr bekannten, fortschrittlichen Politikers und Dichters Albert Traeger, verheiratet.
Walther Schreiber starb im Alter von 74 Jahren am 30. Juni 1958 in Berlin. Er erhielt ein Ehrengrab auf dem landeseigenen Waldfriedhof Dahlem. |
|

|

|
|
|
|
Dr. Konrad Adenauer! Dieser Staatsmann hat in den Kindertagen der Bundesrepublik in der ganzen Welt dafür gesorgt, daß Deutschland überall anerkannt und
geachtet wurde. Eine Vielzahl von Briefmarken aus vielen Ländern der Erde zeugen von dieser Wertschätzung. Hier nun eine kleine Auswahl von Marken, die zu Ehren unseres ersten Kanzlers emittiert wurden.
|
|
19.07.1967 Tod von Konrad Adenauer Genau drei Monate nach seinem Tode wurde Konrad Adenauer erstmals die Ehre zuteil, auf einer Briefmarke gewürdigt zu werden. Diesen
“Schnell-Emission” schaffte das westafrikanische Land Dahomey (heute Benin). Als Motiv diente ein Gemälde des österreichischen Malers Oskar Kokoschka.
Welche besondere Beziehung Konrad Adenauer zu Dahomey hatte, ist ungeklärt. Er selbst war dort nie! Weder privat noch auf Staatsbesuch.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|

|
|
|
|
|
|
|

Dr. Helmut Kohl - Kanzler der Einheit.
Er wurde inzwischen ebenfalls international auf Briefmarken geehrt.
|
|